Die Geschichte der Genossenschaftsbanken

Die Idee der Genossenschaftsbank hat eine lange, bedeutsame Geschichte und geht auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Vordergrund stand der Versuch, in Eigeninitiative etwas gegen die Verarmung der Bevölkerung in Deutschland zu unternehmen. Besonders nach der Revolution in den Jahren 1848/1849 war die wirtschaftliche Lage vieler Menschen in den Städten und auf den Dörfern hoffnungslos. Vollkommen unabhängig voneinander, gründeten fast gleichzeitig zwei Männer die ersten Genossenschaftsbanken – Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Beide Gründungen ergänzten sich hervorragend, um bald eine Struktur der Genossenschaftsbanken in ganz Deutschland anzubieten.

Hermann Schulze-Delitzsch war überwiegend im städtischen Bereich tätig. Durch die Industrialisierung war die Lage vieler Menschen verzweifelt, in dieser Situation setzte sich Schulze-Delitzsch für gemeinsame Investitionen der kleinen Betriebe ein. Gemeinsame Einkäufe der Unternehmer brachten ihnen Vorteile, ohne dass sie dafür ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten. Schulze-Delitzschs Ansatz war, „… mit vereinten Kräften im engen brüderlichen Zusammenschluss den großen Fragen und Interessen des Menschendaseins gegenüber(zu)treten.“

Im Gegensatz dazu wurde Raiffeisen vor allem von den Nöten der Landbewohner getrieben. Sein Bekenntnis zum christlichen Glauben war der entscheidende Grund dafür, dass er nach Wegen suchte, den Armen zu helfen. Bereits während der Hungersnot 1846 ließ er Brot für die Armen backen und einen Brotverein gründen. Er setzte sich auch für den Aufbau von Schulen ein. Da viele Landwirte durch Missernten und Wucherer verarmten, gründete er einen Hilfsverein, bei dem Landwirte sparen, aber auch Vieh und landwirtschaftliche Geräte günstig leihen konnten. Daraus entstand schließlich die erste Genossenschaftsbank unter dem Leitsatz: “Was den Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.”

Genossenschaftsbanken waren von Anfang an durch drei Grundsätze geprägt: Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Raiffeisen sagte: “Wir müssen uns selbst helfen. Alle Bedingungen dazu sind vorhanden, alle Mittel und Kräfte stehen uns reichlich zu Gebot.” Vom Beginn ihrer Geschichte an waren die Genossenschaftsbanken von dem Ziel geprägt, in Gemeinschaft dem Einzelnen zu helfen, denn durch diesen Zusammenschluss konnte die wirtschaftliche Situation des Einzelnen verbessert werden. Durch dieses klassische Bankmodell – Sparanlagen der Einzelnen werden als Kredite an Mitglieder vergeben – waren Genossenschaftsbanken von jeher auch stabil angesichts von Wirtschaftskrisen.

Die Geschichte der Genossenschaftsbanken prägt auch ihre heutigen Entscheidungen und Struktur und schafft Vertrauen.